Telser Distillery Ltd. - modern tradition composed with vision - since 1880

Wir heissen Sie herzlich willkommen auf unserer Website. In den verschiedenen Rubriken finden Sie nähere Informationen zu unserer Distillerie, unseren Produkten wie z.B. zum Liechtenstein Whisky, Liechtenstein Dry Gin und zum Liechtenstein Rum.

ERLEBNIS WHISKY / TAG DER OFFENEN TÜRE

Samstag, 11. November 2017 von 12.00 - 17.00

Ein letztes Mal  ist die Oeffentlichkeit eingeladen, hinter die Kulissen unserer Brennerei zu schauen: Lerne unsere Geheimnisse der Whiskyproduktion und der Fasslagerung kennen und lege selber Hand an! Näher kann man Whisky nicht kommen.

Die Bar mit rund 300 ausgesuchten Whiskies, Rum, Gins und Cognacs lädt bis 23.00 Uhr zum Verweilen unter Gleichgesinnten ein. Zur Verpflegung gibt es Benjamin's Whisky-Gerstensuppe.

Eintritt frei, lediglich die Konsumationen müssen bezahlt werden. Keine Anmeldung nötig.

Pressemitteilung

Der Abschied des Brennmeisters

Die Telser Distillery in Triesen steht zum Verkauf. Marcel Telser, Inhaber und Master Distiller der 1880 von seinem Ururonkel gegründeten Brennerei, stösst ob des unaufhörlich wachsenden Aufwands an Grenzen.

Von Oliver Beck

Mit der Arbeit ist es wie mit so vielen anderen Dingen. Erst das richtige Mass macht sie zu einem bereichernden Bestandteil eines Menschenlebens. Marcel Telser ist das richtige Mass ein wenig abhanden gekommen. Das spürt er schon länger. Soziale Kontakte zu pflegen ist für ihn praktisch unmöglich, gemeinsame Stunden mit seiner Frau und dem neunjährigen Sohn sind rar gesäht, erzählt er. «Freizeit habe ich so gut wie gar nicht. Wer mich sehen will, besucht mich am besten in der Brennerei.» Ein typischer Wochentag beginnt für den Triesner um 5 Uhr in der Früh. Dann kümmert er sich um die administrativen Belange der Telser Distillery. Einige Stunden später steht der Jurist bei seinem Arbeitgeber auf der Matte, bei dem er zu 80 Prozent angestellt ist. Der Feierabend bleibt für Telser meist nur eine theoretisch existente Einrichtung. In der Regel hält ihn die Destillerie noch bis spät in die Nacht auf Trab. Auf dem Papier, sagt Marcel Telser, kümmere er sich um den familieneigenen Betrieb in einem 20Prozent-Pensum. «Aber tatsächlich ist das ein 100-Prozent-Job.»

Zwei Hauptberufe, konzentriert auf eine Person, das kostet Energie. Viel Energie. Natürlich hat Telser deshalb versucht, ein neues, ihn entlastendes Arrangement zu finden. Doch nichts erwies sich als wirklich zielführend. Den 2009 gestarteten Versuch, die Brennerei mit Hilfe eines Mitarbeiters zu betreiben, brach er bald wieder ab. «Dafür ist sie definitiv zu klein», hat er festgestellt. Ausserdem habe er schlechte Erfahrungen gemacht und diese Option auch deshalb fortan nicht mehr in Betracht gezogen. Auch das Unterfangen, seine Juristentätigkeit einzustellen und sich nur der Destillerie zu widmen, war nicht von Dauer. «Um eine Familie zu ernähren, reicht die Betriebsgrösse nicht aus. Eine einzige Person kann den nötigen Umsatz nicht generieren.» Zumal die Herstellung von Spirituosen ein ungemein kapitalintensives Geschäft sei, wie er anmerkt.

Eventuell hätte sich noch eine Verkleinerung der Angebotspalette als Möglichkeit angeboten, den Arbeitsaufwand zu reduzieren. Doch Telser winkt ab: «Wir sind 2010 bereits von 40 Produkten auf 10 Kernprodukte zurückgegangen.» Sehr viel Spielraum sei daher ohnehin nicht mehr vorhanden. Und der Geschäftsführer und Master Distiller in Personalunion sähe wohl auch gar keine Chance, eine weitere Straffung mit den Wurzeln und der Philosophie der Brennerei zu vereinbaren. «Wir wollen nicht nur Gin und Whisky produzieren. Die Menschen erwarten von uns, dass wir auch traditionelle Produkte mit regionalem Charakter anbieten.» Diverse Obstbrände zum Beispiel, Enzian oder Kräuterschnaps.

Also machte Marcel Telser eben weiter. Immer weiter. Bis er schliesslich dort angelangte, wo er nun steht: An einem Punkt, an dem er sich eingestehen muss, «dass es nicht mehr geht». Die letzten Jahre, in denen Berufsleben und Leben praktisch ein und dasselbe waren, haben an ihm gezehrt. «Der Stress und die nervliche Belastung waren gross. Ich stand immer unter Strom, hatte keinen gesunden Ausgleich mehr», erzählt er. «Es hat mich aufgefressen.»

Damit ist nun bald Schluss. Der 46-Jährige wird sich aus dem Brennereigeschäft zurückziehen. Die Telser Distillery, 1880 gegründet und von Marcel Telser in vierter Generation geführt, steht zum Verkauf. «Es war ein Entscheid von der Familie für die Familie», sagt er. Zu erstehen gibt es nicht nur das Equipment, sondern auch die Marke. «Die Geschichte kann also mitgekauft werden.» In Fachkreisen wurde der Beschluss bereits kommuniziert. Bis am 31. März 2018 möchte Telser allfälligen Interessenten Zeit geben, Angebote abzugeben. Die ersten, berichtet er, seien bereits eingegangen. Anfragen für Führungen nimmt er jetzt schon keine mehr entgegen. Nur bereits gebuchte Besichtigungen für 2017 werden noch durchgeführt. «Irgendwann musst du einen Schnitt machen. Sonst läuft es immer so weiter.» Das gilt selbstredend auch für die Produktion. Zwei Fässer Whisky noch, um die verbliebenen Kornbestände aufzubrauchen. Dann haben «Diva» und «Berta», so heissen die beiden Kupferbrennhäfen, ihren Dienst für Marcel Telser endgültig getan.

Es ist nichts weniger als ein Lebensabschnitt, der sich hier dem Ende zuneigt. Dennoch wirkt Telser erstaunlich aufgeräumt, wenn er darüber spricht. Das hängt freilich eng mit dem zweiten Grund zusammen, der ihn dazu bewog, auszusteigen: Der 46-Jährige befindet sich nicht nur an einem Punkt, an dem es nicht mehr geht, sondern auch an einem, an dem er nicht mehr muss.

Seit seinem Einstieg ins Brennereigewerbe 1991 und der schrittweisen Übernahme der Geschäfte von Vater Sebastian prägte Marcel Telser die Geschicke des Familienunternehmens. Als Vertreter einer neuen Generation betrachtete er es als seine Aufgabe, neben einem weiteren Qualitätszugewinn auch dafür zu sorgen, dass die altehrwürdigen Gemäuer der denkmalgeschützten Destillerie von einem innovativen Geist erfüllt werden, der seinen Niederschlag in der Produktpalette findet. Freilich ohne dabei die eigene Historie zu verraten. Eine sanfte Revolution, gewissermassen.

Auf Jahre, in denen Vater und Sohn die Reputation des Betriebs als Produzent hochwertiger Fruchtbrände in Form vieler Goldmedaillen weiter erhöhten, folgte eine Phase, in der auch die Telser Distillery dem Boom des Grappa respektive Marc Rechnung trug. 2006 liess sich Marcel Telser schliesslich auf seine ersten Versuche mit Whisky ein - und legte damit den Grundstein für die erfolgreichste Dekade in der Geschichte der kleinen Brennerei im Triesner Oberdorf. Natürlich hätte er es sich einfach machen und mit der Lagerung in Sherryfässern, dem «state of the art» zu jener Zeit, auf Nummer sicher gehen können. «Aber ich wollte etwas Eigenständiges kreieren, ein Produkt, das auch die Region einbindet, aus der es stammt», erzählt Telser. «Also haben wir von Anfang an mit Weinfässern gearbeitet und die Herstellung Schritt für Schritt verfeinert.» Es brauchte einige Zeit, ehe sich die Skepsis legte, die dem Whisky aus dem Fürstentum zunächst entgegenschlug. Dann aber herrschte schnell rundum Begeisterung. «Konkurrenten, die zuvor Kritik geübt hatten, riefen plötzlich:  », erinnert sich Marcel Telser und lächelt sein verschmitztes Lächeln,dasersichalldiekräftezehrenden Jahre hindurch bewahrt hat. Heute, sagt er mit spürbarem Stolz, gelte die Telser Distillery als Betrieb, der wertvolle Pionierarbeit für die zentraleuropäische Whiskybranche geleistet habe. «Über die Masse gesehen ist die Weinfasslagerung für jene Region ein Stück weit ein Markenzeichen geworden.» Das Renommee hat dadurch nochmals neue Sphären erreicht. «Seither werden wir als sehr ernst zu nehmender Akteur angesehen. Die internationale Konkurrenz hat immer ein Auge auf uns. Dasspüren wir», sagt der 46-Jährige. «Der Name Telser steht für Produkte auf Weltklasseniveau.» Und das nicht nur im Whiskysegment. Auch mit dem 2014 eingeführten Liechtenstein Dry Gin und dem im Folgejahr auf den Markt gebrachten Liechtenstein Rum Chardonnay sei man ganz vorn dabei, so Telser. «Wir können mit den grossen Marken mitreden.»

Genau das ist es, wovon er immer geträumt hatte. «Wir wollten zeigen, dass man auch mit bescheidenen Mitteln, durch ehrliches Handwerk und ganz ohne High Tech etwas Hochwertiges schaffen und sich damit etablieren kann.» Die Vision ist realisiert, die Reise zu Ende, die Zeit da, sich ohne Reue etwas anderem zuzuwenden.

Oder besser: jemand anderem. Sich selbst. All das tun, was in den letzten Jahren zu kurz kam. Das eigene Leben neu austarieren. Das richtige Mass finden. Undesauskosten,geniessen.Wie einen guten Whisky.

Copyright © 2017 vaterland 04.11.2017